Publikationen

Pädagogik und Politik

 

Band 1


In den erziehungswissenschaftlichen und Lehramtstudien-gängen gehört die Entwicklung eines pädagogischen Grundverständnisses zum unverzichtbaren Baustein einer professionellen Handlungskompetenz. 


Das vorliegende Arbeitsbuch enthält eine Auswahl allgemeiner Grundlagen der Erziehungs- und Bildungswissenschaft. Es dient einer ersten Orientierung in systematischen und geschichtlichen Basiselementen der Pädagogik, die für die Entfaltung eines pädagogischen Denkens unabdingbar sind. Der Kern der Pädagogik liegt in ihren Grundbegriffen Erziehung und Bildung, von deren Bestimmung ausgehend das Thema der Erziehungs- und Bildungswissenschaft und die Grundzüge pädagogischen Denkens erschlossen werden.


Über die Darstellung ausgewählter Stationen aus der Geschichte der Erziehung und Bildung erfolgt eine Ermittlung der Denkstrukturen moderner Pädagogik.


Armin Bernhard, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Duisburg, Essen, Standort Essen. Schwerpunkte: Kritische Erziehungs- und Bildungstheorie, Pädagogik und globale Probleme, Demokratische Reformpädagogik

Band 2

»Theorie der Bildung« soll zu einem Grundverständnis dessen beitragen, was Bildung ihrer Idee nach war und welche Bedeutung ihr heute zukommt. Da der Begriff der Bildung gegenwärtig häufig auf ökonomische Verwert-barkeit hin verengt wird, ist es notwendig und sinnvoll, Studentinnen und Studenten der Pädagogik und der Erziehungswissenschaft in historisch‑systematischer Weise in die Bildungstheorie einzuführen. Damit soll ihnen zugleich die Gelegenheit verschafft werden, in der pädagogischen Praxis Bildungssituationen jenseits wirtschaftlicher und politischer Interessen zu erkennen, sie kritisch zu reflektieren und mit ihnen in professioneller Art umzugehen. Bei der konzeptionellen Erarbeitung der Thematik stand im Vordergrund, dass der Bildungstheorie seit der Spät-aufklärung ein kritisches Moment innewohnt, das es systematisch zu entfalten und auf die Verhältnisse der modernen Gesellschaft zu übertragen gilt. Dabei wurden die Frage nach dem Verhältnis von Bildung und Geschlecht und die Frage nach dem Verhältnis von politischer Ökonomie und Bildung besonders berücksichtigt.

Eva Borst ist Hochschuldozentin an der Johannes Gutenberg‑ Universität Mainz. Lehr‑ und Forschungs-schwerpunkte: Bildungs‑, Erziehungs‑ und Sozialisations-theorien, Wissenschafts‑ und Geschlechtertheorien sowie Pädagogik und Anthropologie, Ökonomie und Bildung, anerkennungstheoretische Grundlagen von Erziehung und Bildung. Publikation: Anerkennung der Anderen und das Problem des Unterschieds. Perspektiven einer kritischen Theorie der Bildung (2003).

Band 3

Die Forderung nach „Wiedergewinnung des Pädagogischen“ setzt voraus, dass das Pädagogische „verloren“ gegangen ist bzw. schon einmal „gewonnen“ wurde. Mit Blick auf historische und systematische Begründungszusammenhänge von Pädagogik wird sichtbar, dass deren Erschließung auf ein Spannungsfeld von Aneignung und Austreibung verweist. Dieser „Kampf“ um die Bildung und Entfaltung des Menschen im Kontext gesellschaftlicher Sozialisationsbedingungen erstreckt sich auf alle Lebensbereiche und durchzieht die Epochen. Er ist immanent politisch.


Pädagogik hat die Anwaltschaft für die zukünftige Generation. Sie auszustatten mit praktischem und theoretischem Erfahrungs- und Handlungswissen, mit zuversichtlichem Tatendrang und Lebenskraft sowie mit Empathie, gepaart mit Engagement für eigene und fremde Angelegenheiten, ist Grundlage einer fachlichen, menschlichen und politischen Willensbildung für vernünftiges Handeln. Ein selbstbestimmtes auf Perspektive angelegtes Leben durch Bildung zielt auf Mündigkeit.

Band 4

In der pädagogischen Geschichtsschreibung und in systema-tischen Betrachtungen werden anarchistische Aspekte weitgehend ausgeklammert. Gründe dafür liegen einmal in evokativen Zuschreibungen der Begriffe Anarchismus und Anarchie und zweitens in Kenntnislücken. Hier setzt der Band an und be-schreibt systematische Zusammenhänge von Pädagogik und Anarchismus, zeichnet ideengeschichtliche und biografische Traditionen nach und diskutiert die Gegenwartsrelevanz libertärer Bildungs- und Didaktikkonzepte. Der als Einführungsband angelegte Text bietet eine Orientierung zum modernen Anarchismus als soziale Bewegung und politische Theorie und stellt die Schnittstelle zu Fragen der Bildung und Erziehung her. Das Vorgehen ist historisch und systematisch ausgerichtet und ermöglicht eine Zwischenbilanz zur aktuellen Forschungslage.


Ulrich Klemm studierte Sozialwissenschaften und ist Diplompädagoge. Er arbeitet als Lehrbeauftragter für Pädagogik und Honorarprofessor für Erwachsenenbildung ab der Universität Augsburg sowie als Lehrbeauftragter für Erziehungs-wissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Er promovierte mit einer Arbeit über den Freiheitsbegriff in der libertären Pädagogik, war Fachbereichsleiter in der Erwach-senenbildung, gründete 1991 den Verlag Klemm & Oelschläger, ist als Unternehmensberater tätig und wirkt als Geschäftsführer der Europäischen Donau-Akademie in Ulm.

Band 5

Die vorliegende Anthologie Pädagogik als humanes Erkenntnissystem war mitten in der Planung, als uns die Nachricht vom plötzlichen Tod Hans-Jochen Gamms erreichte. Er starb am 18. Juni 2011. Seinen Tod empfinden wir als einen unschätzbaren Verlust. Hans-Jochen Gamm hat die bundesdeutsche Nachkriegspädagogik mit seinem erziehungswissenschaftlichen Ansatz nachhaltig bereichert und damit das Modell für ein kritisches und zugleich verantwortbares pädagogisches Handeln geschaffen. Ihm kommt zweifelsohne das Verdienst zu, das Materialismus-Konzept in die Erziehungswissenschaft eingeführt zu haben, ein humanes und zugleich humanistisches Konzept, in dem erziehungswissenschaftliche Erkenntnis und pädagogisches Handeln untrennbar miteinander verknüpft sind. Emanzipatorische Pädagogik in bewusstem Widerstand  - so nannte Hans-Jochen Gamm seinen Ansatz einmal in einem Interview 1985, und wir denken, dass diese Formulierung den Kern seiner Arbeit als Erziehungswissenschaftler sehr gut trifft. Es ging ihm um die Entwicklung von Pädagogik als eines humanen Erkenntnissystems, das individuelle und kollektive Mündigkeit kompromisslos zu ihrer Sache macht. Die Erfahrung der faschistischen Barbarei, die in der unbestechlich antifaschistischen Haltung Hans-Jochen Gamms zum Ausdruck kam, war ein wesentlicher Antriebsmotor seines Handelns gerade als Wissenschaftler für eine humane Pädagogik und damit für eine humanere Gesellschaft. Hierin liegt der unverwechselbare Charakter seines pädagogischen Lebenswerks, das wir mit diesem Band ausdrücklich würdigen möchten.


Hans-Jochen Gamm (1925 - 2011), emeritierter Professor für Allgemeine Pädagogik an der Technischen Universität Darmstadt. 1967 übernahm er dort das erstmalig eingerichtete Ordinariat für Allgemeine Pädagogik und wurde zum Gründungsdekan des Fachbereichs Erziehungswissen-schaften, Psychologie und Sportwissenschaft gewählt, der im Rahmen des neuen Hochschulgesetzes aus der renommierten Fakultät für Kultur- und Staatswissenschaften hervorging. Schwerpunkte der Forschungstätigkeit: Verhältnis von Materialismus und Pädagogik, Pädagogische Anthropologie, Pädagogische Ethik, Pädagogische Ästhetik und ästhetische Bildung, Theorie der Bildung und Erziehung.

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Band 6


Der vorliegende Band eröffnet die Möglichkeit, sich mit jenen Pädagoginnen und Pädagogen zu beschäftigen, die weitgehend aus dem Mainstream der Erziehungswissenschaft ausgegrenzt oder gar völlig vergessen sind. Klassiker und Klassikerinnen sind sie deshalb, weil sie Theorien und Modelle entwickelt haben, die auch heute noch von großer Relevanz sind, durch die stromlinienförmige Wissenschaftspolitik der Universitäten aber an den Rand gedrängt werden. Eine intensive Auseinander-setzung mit ihnen kann den Weg zu einer eigenständigen Wiederzueignung verloren gegangener Denkalternativen ebnen und damit die notwendige Infragestellung einer allzu einseitigen Konsens- und Identitätsstiftung forcieren. Die für diesen Band ausgewählten Klassikerinnen und Klassiker stammen aus dem facettenreichen Umfeld des demokratischen Sozialismus. Sie knüpfen an diejenigen Traditionen an, in denen Gesellschafts-kritik und pädagogisches Handeln notwendig aufeinander bezogen sind.


Kluge, Sven, Dr., seit März 2013 Juniorprofessor an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Arbeitsschwerpunkte: Tiefenpsychologie und Reform-pädagogik, Kritische Erziehungs- und Bildungstheorie.

Kontakt: sven.kluge@alanus.edu


Borst, Eva, Dr. phil. habil., Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Erwachsenenbildung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Arbeitsschwerpunkte: Kritische Erziehungs- und Bildungstheorie, Anthropologie und Pädagogik, neue Technologien und die Ökonomisierung der Bildung, Gender-Studies.

Kontakt: borst@uni-mainz.de

Band 7


Eine Theorie der Bildung und Pädagogik ist das unerlässliche Instrumentarium der Reflexion pädagogischen Handelns. Ohne dieses Instrumentarium bleiben Erziehung und Bildungsarbeit ohne Kompass. Heinz-Joachim Heydorn (1916–1974) stellt diesen Orientierungsrahmen zur Verfügung. Er ist einer der bedeu-tendsten deutschsprachigen Bildungstheoretiker nicht nur des 20., sondern auch des 21. Jahrhunderts, weil die Grundlagen seiner Pädagogik und Bildungstheorie in hohem Maße gegen-wartsbezogen und zukunftsrelevant sind. Nach Heydorn haben sie die richtungsweisende Aufgabe, Pädagoginnen und Pädagogen zu befähigen, ihre Handlungen zu begründen, zu überdenken, zu analysieren und vor allem: sie auch gegen widrige gesellschaftliche Entwicklungstendenzen widerständig durchzuhalten. Angesichts der massiven Manipulation des Alltagsbewusstseins und der neoliberalen Zurichtung von Bildung wird Bewusstseinsbildung im Sinne Heydorns immer dringlicher. Seine Theorie vermittelt die Hoffnung, dass es sich lohnt, für eine Vision zu kämpfen, und sie liefert Ansatzpunkte für eine Pädagogik, die der Vorstellung folgt, kollektive Vermenschlichung gesellschaftlich verwirklichen zu können.

Armin Bernhard, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Kritische Erziehungs- und Bildungstheorie, Geschichte und Theorie Kritischer Pädagogik, Demokratische Reformpädagogik.

Sandra Schillings, Diplom-Pädagogin. Fachanleiterin im Bereich Stadtteilservice für den Standort Essen-Frillendorf/Stoppenberg, NEUE ARBEIT der Diakonie Essen; Doktorandin an der Fakultät Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Das Dissertationsthema ist in der Bildungstheorie Heinz-Joachim Heydorns verortet. Forschungsschwerpunkte: Kritische Erziehungs- und Bildungswissenschaft.

Band 8


Empirische Bildungsforschung ist im Rahmen des globalen Monitorings von Bildungssystemen zu einer florierenden Branche geworden, die inzwischen vielfältiger Kritik seitens der von diesem Paradigma herausgeforderten Erziehungswissenschaft ausgesetzt ist. Die Kritik bezieht sich dabei häufig auf die Verkürzung eines primär ökonomischen Interessen untergeordneten Bildungsbegriffs. Dem wird hier nicht widersprochen, der Fokus der Studie liegt aber auf den bislang wenig berücksichtigten wissenschaftsgeschichtlichen Bedingungen, aus denen das empirische Forschungsparadigma erwuchs und durch die sie überhaupt erst zu einem politischen Herrschaftsinstrument werden konnte.


Die Studie rekonstruiert zunächst die Geschichte und die forschungslogischen Probleme dieses Paradigmas, die sich aus ihm bis heute für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sozialen Sachverhalten, unter anderem Bildung, ergeben.


Vor diesem Hintergrund wird am Beispiel der PISA-Studie zunächst dargelegt, wie sich die Probleme in deren theoretischer und methodischer Anlage niederschlagen und warum sich die Studie gerade deswegen als Instrument für politische Steuerung im neoliberalen Sinne eignet. In welcher Weise sie diesen Zweck erfüllt, wird in einem zweiten Schritt mit Blick auf drei zentrale Kontextbedingungen der Studie gezeigt: die OECD-Politik, die Governance-Steuerung und das Konzept der „Wissensgesellschaft“, die in der PISA-Studie als wesentlicher Legitimationsgrund für Anpassungsprozesse der Bildungssysteme angegeben wird.


Da die PISA-Studie sich nur mit Verweis auf ihre Mittel, aber nicht ihre Zwecke als Wissenschaft legitimieren kann, ist sie für die öffentliche Durchsetzung dessen, was sie als Wahrheit ausgibt, auf Propaganda angewiesen, deren Strategien deswegen ein abschließendes Kapitel gewidmet ist.


Karl-Heinz Dammer, Studium der Romanistik, Germanistik, Pädagogik und Philosophie an den Universitäten Münster, Duisburg-Essen und Toulouse. Professor für Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Band 9


Anna Siemsen (1882-1951) wird immer wieder zu den wichtigen Vordenkerinnen Kritischer Pädagogik gezählt, ist für viele Studenten und Interessierte der Pädagogik aber eher ein Geheimtipp, auch weil Siemsens Schriften lange Zeit nur spärlich untersucht und rezipiert wurden. Dem will der vorliegende Band abhelfen und Anna Siemsens Werk einer breiteren Leserschaft zugänglich machen. Leben, Rezeptionsstand, pädagogische Orientierungsmuster und Leitbegriffe, zentrale Handlungsfelder und Interessenschwerpunkte Siemsens sowie Anschlussmöglich-keiten für Kritische Pädagogik werden vorgestellt und erläutert.


Als wissenschaftliche Pädagogin, Lehrerin, Schulpolitikerin, Erwachsenenpädagogin, Literatursoziologin und Mitarbeiterin in verschiedenen sozialistischen Kulturorganisationen hat Siemsen das pädagogische Alltagsgeschäft hautnah miterlebt und gestaltet, was ihren über 800 Veröffentlichungen besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Zugleich sind Siemsens Studien in grundsätzliche gesellschaftstheoretische Überlegungen eingebunden, die die Möglichkeiten und Grenzen von Erziehung und Bildung in der kapitalistischen Gesellschaft reflektieren. In dieser doppelten Ausrichtung, den pädagogisch Verantwortlichen Orientierung und Hilfestellung zu geben, andererseits Standortbestimmung und Zielvergewisserung pädagogischer Arbeit anzuregen, liegt die Stärke und Aktualität Siemsen'schen Ansatzes.


Siemsens konsequentes Festhalten an den beiden großen Erziehungsgedanken der Persönlichkeit und Humanität führt zu einer kritischen Sichtweise bestehender Erziehungsverhältnisse und Bildungspraxen, fordert Kritische Pädagogik aber auch heraus, sich von manchen Schlachtrufen der emanzipatorischen Pädagogik der 1970er Jahre zu emanzipieren. Siemsen zu lesen lohnt sich immer noch – dafür will dieser Band aus der Reihe „Pädagogik und Politik“ sensibilisieren und vorbereiten.



Christoph Sänger, Dr. phil., geb. 1961, Studium der Geschichte, katholischen Religionslehre, Mathematik und Pädagogik in Münster, seit 1992 Lehrer am St.-Anna-Gymnasium in Wuppertal. 2011 erschien die Dissertation „Anna Siemsen – Bildung und Literatur“.

Band 10


Sozialistische Pädagogik. Ist dieser Titel nicht arg einfach? Gibt es nicht eine Vielzahl an Sozialismen – und mit diesen verknüpften Pädagogik-Konzepte? Dieser Einwand ist berechtigt und ihm versucht der Band Rechnung zu tragen: Anhand von elf Autor*innen spannt er das Feld sozialistischer Pädagogiken auf, um sich so den Themen, Fragen und Problemaufrissen sozialistischen pädagogischen Denkens zu nähern. Dabei sind so wohl bekannte Autor*innen, wie die „Klassiker“ Karl Marx oder Clara Zetkin vertreten, aber auch bisher nur wenig rezipierte Sozialist*innen wie Shloyme Gilinsky oder Franz Heinrich Ziegenhagen. Erklärende und interpretierende Kommentare begleiten die Quellentexte. Sie eröffnen unterschiedliche und kontrastierende Perspektiven auf sozialistische Ansätze im Hinblick auf deren historische Entstehung und ihre heutige Relevanz. Der Band will undogmatische Neuinterpretation und weiterführende Theoriebildung ermöglichen.

Das Buch eignet sich sowohl für den selbstständigen Einstieg ins Thema als auch als Lehr- und Studienbuch für Lesekreise oder die Hochschullehre.


Benjamin Paul-Sievert, Magisterstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung und wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medien-pädagogik an der Universität Potsdam.


Robert Pfützner, Doktorand und Lehrbeauftragter am Institut für Bildung und Kultur der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.


Michael Winkler, Professor für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik am Institut für Bildung und Kultur der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Band 11 und 12


Mit den zwei Bänden der vorliegenden Anthologie „Widersprüche bürgerlicher Mündigkeit. Materialistische Bildungstheorie als politische Explikation der Pädagogik“ wird eine Sammlung zentraler Schriften des Darmstädter Pädagogen Gernot Koneffke vorgelegt. Einerseits soll damit ein Einblick in die vielseitigen, hier in sechs Abschnitte unterteilten, teils noch wenig bekannten und bisher unveröffentlichten bildungspolitischen und -theoretischen Arbeiten Koneffkes ermöglicht werden. Andererseits sollen durch die hier erfolgte Zusammenstellung dieser bisher weit verstreuten und schwer zugänglichen Studien die historisch-systematischen Analysen Koneffkes in aktuelle erziehungswissenschaftliche Diskurs eingebracht und damit eine kritische Auseinandersetzung mit seiner politischen Pädagogik angeregt werden.

Verbindendes Element seiner Arbeiten ist die Analyse der Widersprüche bürgerlicher Mündigkeit, die für Koneffke die Achse der Theoriebildung neuzeitlicher Pädagogik darstellt. Doch seine Analysen und Begründungen bleiben nicht auf einer theoretischen Ebene, sondern sind zugleich pädagogische Positionierungen in Bildungsreformprozessen und -debatten, die theoretisch begründete Widersprüche im Sinne von praktischen Einsprüchen artikulieren. Diese politische Explikation der Pädagogik ist charakteristisches Merkmal der Materialistischen Bildungstheorie Gernot Koneffkes und zentrales Anliegen, das seinen Studien zugrunde liegt.

Gernot Koneffke (1927-2008) war von 1972 bis 1990 Professor für Allgemeine Pädagogik an der Technischen Hochschule (heute Universität) Darmstadt, wo er auch noch viele Jahre nach seiner Emeritierung tätig war. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges, in dem Koneffke als Marinehelfer und Soldat im Kriegsdienst war und in englische Gefangenschaft geriet, sowie sein mehrjähriges Engagement im sozialistischen Jugendverband „Die Falken“ beeinflussten in den 1950er Jahren maßgeblich seine Lehrtätigkeit als Volksschullehrer bzw. Assistent in Kiel und Seeheim-Jugenheim sowie als Dozent an der Hochschule für Erziehung in Frankfurt a.M. (1962-1969); hier arbeitete er eng mit Heinz-Joachim Heydorn bis zu dessen Tod 1974 bei der Edition historischer Quellenschriften in der Reihe Paedagogica zusammen. Seit seiner Zeit als Professor für Schulpädagogik an der Kant-Hochschule in Braunschweig 1969 entwickelte Koneffke eine Materialistische Bildungstheorie, die den historischen und gesellschaftlichen Charakter von Pädagogik entfaltet und als deren Politizität expliziert. Weitere Forschungsschwerpunkte waren: Sozialgeschichte und Philosophie der Bildung, Vergleichende und Historische Pädagogik, Theorie und Praxis der Schule.


Herausgegebe von:

Bierbaum, Harald, Dr. phil., Jg. 1973, Pädagoge. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt. Lehre in der Allgemeinen Pädagogik und Didaktik; Forschungsschwerpunkte: Kritische Bildungstheorie, Theorie pädagogischer Institutionen, Pädagogik der Naturwissenschaften.

Kontakt: h.bierbaum@apaed.tu-darmstadt.de


Katharina Herrmann, M.A., Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „50 Jahre Allgemeine Pädagogik an der TU Darmstadt“ des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt. Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Allgemeine Pädagogik, Kritische/Materialistische Bildungstheorie, „Darmstädter Pädagogik“.

Kontakt: k.herrmann@apaed.tu-darmstadt.de